Ich zieh mich gerne dem Anlass entsprechend an. Das gibt mir Sicherheit. Wenn ich wo hingehe, recherchiere ich vorher wie Location, Publikum, Anlass sind und richte mich gern nach dem Geschmack meiner Begleitung. Das heißt nicht, dass ich ignoriere wie ich mich fühle oder was mir gefällt, aber es ist ein Komfortfaktor für mich.
Es geht mir nicht darum, was andere denken könnten, sondern, dass ich das Gefühl habe richtig zu sein. Woher die innere Angst kommt, irgendwo falsch oder unangemessen zu sein, weiß ich nicht. Sie wird aber im Alter weniger. Natürlich auch weil ich mehr Settings kenne und weiß, wie ich mich in unterschiedlichen Situationen angemessen bewege.
In der Kirche war für mich immer klar: etwas über die Schultern, nicht zu freizügig, „dem Anlass entsprechend“. Hab ich meinen Firmlingen auch gerne mitgegeben. Aber warum eigentlich? Alle Faktoren legitim. Aber wer entscheidet was angemessen oder zu freizügig ist?
Heute finde ich es viel wichtiger, jedem das Gefühl zu geben, richtig zu sein, so wie man ist. sich wohlfühlen. Was dem Anlass entspricht, entscheidet jeder selbst, auch wenn das vielleicht anders ist, als ich es empfinde.
Manchmal ist es gar nicht so leicht, das zuzulassen. Wenn ich jemanden in Jeans und Sneakers im Klassikkonzert sehe, finde ich das blöd. Aber wichtiger finde ich, dass die Person Kultur genießen kann und sich dabei richtig findet.
Ich glaube, für Männer ist die Situation anders. Da hinterfragt niemand die Hosenlänge. Es wird weniger und weniger hart geurteilt. Bei Frauen erlaubt man sich schneller eine Meinung über ihre Erscheinung.
Im Gottesdienst noch viel mehr: Sneakers zu leger, Stöckelschuhe zu aufreizend. Jeans zu alltäglich, Rock zu kurz. Zivil zu auffällig, in Albe zu anmaßend. A la nature lässt man sich gehen, geschminkt heischt man nach Aufmerksamkeit. Wie man es macht: man lenkt vom Wesentlichen ab.
Als Frau muss man ständig das Wohlbefinden aller anderen mitbedenken – lang vor dem eigenen.
Wir müssen so sehr lernen, Uns selbst wohler zu fühlen, dann passiert es auch seltener, dass wir über andere urteilen müssen. vielleicht können wir einander dann sogar dabei unterstützen, uns richtig zu fühlen.
