Das akzeptierte „Nein“

Schon Jesus hat gesagt: Euer Nein sei ein Nein. Es ist etwas aus dem Kontext gerissen, aber dies kann man ja nachlesen im Matthäusevangelium.

Die Mitgliedszahlen reduzieren sich massiv, die Einsparungen werden aber auch in den Kirchen bemerkbar. Immer weniger Menschen, die sich in der Kirche engagieren. Und die, die noch da sind, dürfen dann gerne die Aufgaben übernehmen, die noch über sind, weil irgendwer muss sie machen und man sieht doch die Not und appelliert an das christliche Herz. Aber was ist mit dem „Nein“?

Darf ich das? „Nein“ sagen. Freizeit für mich? Oder ist mein Ziel als gute Christin meine Freizeit der Kirche zu opfern, weil das zum Dienst dazugehört.

Es war einer der größten Meilensteine des II. Vatikanischen Konzils, dass man mitbestimmen kann, mitarbeiten darf, gemeinsam am Reich Gottes arbeiten. Aber das dazu auch Ruhepausen gehören, vergisst man selbst oft, aber auch die Menschen drum herum.

In meiner Arbeit als Jugendleiterin musste ich das schneller lernen, als mir lieb war. Zu viele Bedürfnisse, große Ideale aber mein Tag hat auch nur 24 Stunden und es funktioniert, aber nicht auf Dauer. Ich habe mich oft rechtfertigen müssen, warum ich nicht kann. Ich muss doch einen anderen wichtigen Termin haben, wenn ich bei dieser Veranstaltung in der Pfarre XY nicht dabei sein kann. Das schlechte Gewissen hatte man sowieso ewig. Aber es ist völlig absurd. Es dauerte Jahre bis ich das ablegen konnte.

Heute weiß ich: Ich habe einen Termin. Mit mir selbst. Mit Gott*. Mit einem guten Buch. Zum Spazierengehen. Zum Faulenzen. Die Tankstellen im Alltag sind wichtig. Und ich genieße es an einem Gottesdienst oder einer Veranstaltung teilzunehmen, ohne Aufgaben, einfach da sein, sich einlassen können, zu wissen, da verlangt jetzt niemand was.

Wir müssen eine Kultur entwickeln. Das schlechte Gewissen abdrehen. Dem anderen die Ruhepause gönnen. Ja, das ist schwer, wenn man sieht was alles gemacht werden muss. Wenn man vor lauter Arbeit untergeht. Ich kenne die Trauer & die Wut, weil da jemand nicht sieht, wie wichtig das jetzt ist, aber vielleicht auch nur für mich? Und das ist das Problem. Vielleicht müssen wir Dinge sein lassen, weil sie Zeit rauben, zu viel sind und wir einfach überlastet sind. Was ist wenn wir unsere Angebote anpassen an unsere Ressourcen und da rede ich nicht davon, dass wir unsere Qualität verlieren dadurch.

Ich glaube, dass dies unsere Qualität steigern kann, weil jede und jeder Prioritäten setzt. Da will ich mitarbeiten, da möchte ich nur dabei sein. Es ist ein bisschen weniger „Das hab schon immer ich gemacht“ und mehr Innovation. Und wir erkennen schneller, wovon wir uns verabschieden sollen, um Neues entstehen zu lassen.

Das „Nein“ ist das wichtigste Wort in unserer Gemeinschaft. Wir müssen Verantwortung füreinander übernehmen. Zeit ist ein noch wertvolleres Gut geworden. Wir müssen aufeinander schauen, und uns gegenseitig darauf hinweisen, mehr „Nein“ zu sagen. Für die Ruhepause ermutigen, auch wenn gerade das große Pfarrfest ansteht. Einfach weil ich bemerke, was da gerade bei einer Person los ist im Job, in der Familie oder auch einfach so.

Ich glaube ein „Nein“ ermöglicht ein großes „Ja“ und viel frische Motivation. Und die brauchen wir dringend!

Ich gebe in diesem Artikel nur meine persönliche Meinung wieder und es fehlen ab und an die Graustufen. Ich freue mich auf Gedanken, Meinungen und Vieles mehr in den Kommentaren, um ein paar mehr Facetten in meine Gedankenwelt zu bringen.
Steffie Sandhofer #weilmaglaubn

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